Erektionsprobleme: Das Schweigen der Männer

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Onmeda.de Vielen fällt es schwer, mit dem Partner darüber zu reden. Erektionsprobleme sind eine psychische Belastung. Was man dagegen tun kann. Mit Fragebogen.

Rund jeder fünfte deutsche Mann hat Erektionsprobleme, so lauten Schätzungen. Ursache kann eine Blockade im Kopf sein. Stress, Depressionen, Beziehungsprobleme sind Auslöser für die sogenannte erektile Dysfunktion und führen Betroffene in einen Teufelskreis. Doch es gibt auch organische Ursachen, vor allem Durchblutungsstörungen. Das Problem wird von Männern oft verschwiegen, Hilfe abgelehnt. Dabei gibt es inzwischen eine Reihe von Behandlungsmethoden, mit denen sich die Potenz wiederherstellen lässt. Zu den Betroffenen gehört Bernhard aus Berlin. Er betreut die bundesweite Telefonberatung der Selbsthilfegruppe "Erektile Dysfunktion". Dort melden sich Männer in allen Altersgruppen, der jüngste war 15. Ein Anrufer berichtet, dass bei einer Prostata-Operation Nervenstränge beschädigt wurden. Nun ist er zerrissen zwischen Wut auf die Ärzte, die angeblich über das Risiko nicht aufgeklärt hätten, und Verzweiflung. Ein anderer Mann hat seine neue Beziehung mit einem Zettel auf dem Küchentisch beendet, bevor es zu Intimitäten kam. Zu groß sei die Scham, kein "richtiger" Mann zu sein. "Eine Erektionsstörung ist für Männer eine Katastrophe", sagt Bernhard. Sie würden schweigen, um nicht als "Schlappschwanz" dazustehen, und hätten Angst, die Partnerin an einen Potenteren zu verlieren. "Bei der Sexualität hängen Körper und Seele eng zusammen", sagt Prof. Udo Engelmann von der Universität Köln, der die Häufigkeit von Erektionsstörungen bei 4.489 Männern in Köln untersucht hat. Bei manchen erzeuge schon eine geringe Erektionsschwäche einen hohen Leidensdruck, "gegen den leider viel zu wenige Männer etwas unternehmen". Nicht einmal jeder dritte Betroffene sucht Hilfe bei einem Facharzt für Urologie oder bei einem Psychotherapeuten. Dr. Fritz Reinecke ist einer der wenigen deutschen Ärzte, die sowohl Urologe als auch Psychotherapeut sind. Bei zwei Dritteln seiner Patienten findet er keine organische Ursache für die Erektionsstörung. "Der beste Beweis für eine körperliche Unversehrtheit ist eine nächtliche Spontanerektion. Viele meiner Patienten haben so etwas, aber nur wenn sie schlafen und nicht unter Druck stehen", sagt Reinecke. Stress dagegen aktiviere das vegetative System im Körper so, als drohe Gefahr. "Botenstoffe wie Adrenalin und Noradrenalin sorgen dann dafür, dass die für Flucht oder Verteidigung wichtigsten Körperfunktionen in Alarmbereitschaft sind. Gleichzeitig werden weniger wichtige Funktionen eingeschränkt, und dazu gehört die Erektion", beschreibt Reinecke.   Oft bekommt das Problem eine verhängnisvolle Eigendynamik, in der die Angst vor dem Versagen das nächste Versagen auslöst. Reinecke versucht den Teufelskreis mit Medikamenten zu durchbrechen, die eine Erektion unterstützen. Wirkungsvoll seien auch Psychotherapien,…

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