Depression: Krankheit mit vielen Gesichtern

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Onmeda.de Die Depression ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen: 16 bis 20 von 100 Menschen erleben irgendwann einmal eine depressive Episode. Depressive Menschen fühlen sich niedergeschlagen und freudlos. Sie haben das Interesse an vielen Dingen verloren und können und sich nur schwer zu Aktivitäten aufraffen.

Jeder von uns kennt Phasen, in denen er vorübergehend traurig oder niedergeschlagen ist oder einfach keine Lust hat, etwas zu unternehmen. Solche Phasen sind in einem gewissen Rahmen ganz "normal" und gehören zum Leben dazu. Halten die Beschwerden aber länger an, könnte es sich um eine Depression handeln: Selbst, wenn es keinen objektiven Grund (mehr) für eine gedrückte Stimmung gibt, bleiben die Symptome weiterhin bestehen. Eine Depression kann in jedem Alter entstehen. Auch viele junge Menschen sind betroffen. So gibt es Hinweise darauf, dass bis zu 5 von 10 Betroffenen jünger als 31 Jahre waren, als sie erstmals an einer Depression erkrankt sind. Bei Frauen wird eine Depression doppelt so häufig diagnostiziert wie bei Männern. Was ist eine Depression? Die Depression ist eine affektive Störung: Affektive Störungen sind Erkrankungen, die sich durch Schwankungen der Stimmung und des Antriebs auszeichnen. Im Vordergrund stehen Beschwerden wie Bestehen zwei oder mehr dieser Hauptsymptome über mindestens zwei Wochen hinweg, spricht man von einer Depression. Eine Depression hat viele Gesichter und kann mit zahlreichen weiteren Beschwerden verbunden sein. So spüren manche Betroffene die Depression vorwiegend körperlich, etwa in Form von Schwindel, Kopfschmerzen oder Kreislaufproblemen. Bei anderen wiederum stehen Symptome wie Konzentrationsstörungen oder Appetitlosigkeit im Vordergrund. In diesem Fall kann die Depression lange unerkannt bleiben. Eine Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Scheuen Sie sich also nicht, bei Anzeichen einer Depression professionelle Hilfe zu suchen! Scham- oder Schuldgefühle sind hier völlig fehl am Platz: Wer depressiv ist, ist krank – und die Therapie kann helfen, Ihre Depression zu überwinden. Eine Depression kann sich auch mit einer Manie abwechseln. Dabei leidet der Betroffene mal an Depressionen, mal an einer Manie. Während einer manischen Phase fühlt sich die Person extrem leistungsfähig und gut gelaunt – auch, wenn es keinen objektiven Grund für die Hochstimmung gibt. Die Betroffenen neigen in dieser Zeit zu starker Selbstüberschätzung. So kann es etwa sein, dass sie viel zu viel Geld ausgeben oder soziale Hemmschwellen übertreten. Wenn sich Manie und Depression abwechseln, spricht man auch von einer bipolaren Störung. Zwischen den Hochs und Tiefs können auch Phasen liegen, in denen die Stimmung der Person "normal" ist. Eine Manie ohne anschließende Depression kommt nur selten vor – eine Depression ohne Manie ist hingegen häufig. Eine Depression ohne Manie bezeichnet man als unipolare Depression. Bei einer leichten Depression sind die Symptome eher mild ausgeprägt. Die mittelgradige Depression bedeutet hingegen schon eine starke Einschränkung im Alltag – und bei einer schweren Depression können die Beschwerden so belastend sein, dass der Betroffene kaum noch in der Lage ist, selbst kleine Dinge zu verrichten.  Depressionen können sich darüber hinaus in ganz unterschiedlichen Formen bemerkbar machen. Manche Menschen sind zum Beispiel abhängig von der Jahreszeit depressiv: Dann tritt die depressive Episode zu bestimmten Jahreszeiten auf (typisches Beispiel ist die Winterdepression). Und Frauen können in den ersten Wochen nach einer Entbindung eine sogenannte Wochenbettdepression (bzw. postpartale oder postnatale Depression) entwickeln. Eine einzelne depressive Phase wird auch als depressive Episode bezeichnet. Nach einer depressiven Phase entwickeln bis zu 5 von 10 der Betroffenen innerhalb von zwei Jahren erneut eine Depression (sog. rezidivierende Depression). Wenn die Symptome einer Depression länger als zwei Jahre anhalten, handelt es sich um eine chronische Depression. Auch ist es möglich, dass eine Person sich nach einer depressiven Phase nicht vollständig wieder erholt, das heißt: Es geht ihr zwar besser, aber nicht so gut wie vor der Depression (sog. unvollständige Remission = unvollständige Genesung). Ist die Stimmung dauerhaft getrübt, aber nicht so schwer, dass man von einer Depression sprechen könnte, handelt es sich um eine Dysthymie. Eine Depression kann viele Ursachen haben, die nicht immer eindeutig auszumachen sind. Manche Menschen sind anfälliger für eine Depression als andere. Experten gehen davon aus, dass eine Kombination mehrerer Faktoren eine Depression auslöst. Dabei spielen sowohl psychosoziale als auch erblich bedingte Einflüsse eine Rolle. Wie diese genau zustande kommen, dazu gibt es unterschiedliche Hypothesen und Erklärungsmodelle. Meist sind es verschiedene biologische und psychosoziale Faktoren, die im Zusammenspiel eine Depression auslösen. Welche Einflüsse zu einer Depression führen, ist also von Person zu Person ganz verschieden. Mögliche Risikofaktoren sind etwa: Wie und wann genau solche Einflüsse zur Depression führen, dazu gibt es verschiedene Erklärungsmodelle und -theorien. Wie sich Depressionen entwickeln und was sie aufrechterhält, hängt dabei unter anderem vom Ausmaß positiver Erfahrungen ab, die man als Reaktion auf sein Verhalten erlebt: Eine depressive Stimmung kann auch ein Symptom einer anderen psychische oder körperlichen Erkrankung sein: In dem Fall handelt es sich um eine sogenannte sekundäre Depression. Eine sekundäre Depression kann ihre Ursachen zum Beispiel in einer Epilepsie oder Schilddrüsenerkrankung haben. Auch Medikamente, die etwa in der Krebsbehandlung zum Einsatz kommen, können eine Depression verursachen. Bei Depressionen ist der Hirnstoffwechsel verändert: Dabei sind verschiedene Botenstoffe im Gehirn aus der Balance geraten, insbesondere die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin. Die auch als Neurotransmitter bezeichneten Botenstoffe spielen bei der Entstehung und Regulation von Gefühlen eine wichtige Rolle. Neurotransmitterstoffe sind im menschlichen Körper unerlässlich. Egal, ob wir ein Bild betrachten, jemandem zuhören oder uns über etwas freuen: Jedes Mal werden im Gehirn ganze Netzwerke an Nervenzellen aktiv. Die Nervenzellen besitzen "Kontaktstellen", sogenannte Synapsen, die es ermöglichen, Informationen in Form von elektrischen Impulsen von Nervenzelle zu Nervenzelle an ihren Zielort weiterzuleiten. Sobald sie einem Reiz ausgesetzt werden – etwa eine rote Ampel –, werden die dafür zuständigen Nervenzellen erregt und leiten die Information weiter. Zwischen jeder Kontaktstelle einer Nervenzelle befindet sich ein Spalt, den ein elektrischer Impuls ohne Hilfsmittel nicht überwinden könnte, sprich: Ohne Hilfe könnte die Information nicht weitergeleitet werden. Damit ein elektrischer Impuls von Zelle zu Zelle "springen" kann, kommen die chemischen Botenstoffe, die Neurotransmitter, ins Spiel. Sie überbrücken den Spalt, indem sie an der Nervenzellen andocken, und sorgen so für eine reibungslose Übermittelung der Information. Bei einer Depression sind bestimmte Botenstoffe in zu geringer Zahl vorhanden – vor allem Serotonin und Noradrenalin – und / oder die Übertragung ist gestört, weil nicht ausreichend Botenstoffe "andocken" können. Ergebnisse von Tierversuche weisen darauf hin, dass die Balance der Botenstoffe eng mit der persönlichen Stressbewältigung beziehungsweise Stressreaktion verknüpft ist, das heißt: Wie wir mit Stress umgehen und wie gut wir Stress kontrollieren können, beeinflusst auch – im Zusammenspiel mit anderen Faktoren –, wie viele Transmitterstoffe zur Verfügung stehen. Video Depression: Wenn die Seele krank ist In der Kindheit erworbene negative Denkmuster erhöhen das Risiko, dass eine Depression entstehen kann. Gleiches gilt für negative Erfahrungen mit früheren Bezugspersonen, wie beispielsweise Missachtung durch die Eltern oder Gewalt. Solche Erlebnisse führen häufig dazu, dass man sich selbst ablehnt oder ein negatives Selbstbild entwickelt. Die Betroffenen neigen dazu, ihrer Umwelt misstrauisch und pessimistisch zu begegnen. In der Folge deuten sie selbst neutrale Ereignisse als etwas Negatives und als Bestätigung ihrer pessimistischen Weltsicht. Sie sehen vieles durch eine dunkle Brille. Neue positive Ereignisse, die nicht in ihr Weltbild passen, nehmen sie als solche oft gar nicht wahr. Sie geraten in einen Teufelskreis, den sie durch ihren negativen Blick auf die Welt aufrechterhalten. Der Umgang mit Misserfolgen ist ein weiterer wichtiger Faktor bei der Entstehung von Depressionen. Wer depressiv ist, hat vor der Depression häufig Situationen erlebt, in denen es nicht möglich war, die Umstände zu beeinflussen oder zu kontrollieren. Daraus entstand ein Gefühl der Hilflosigkeit. Dieses Gefühl spiegelt sich bei depressiven Menschen darin wider, dass sie sich gerade im Umgang mit Problemen sehr passiv verhalten. Sie sehen sich nicht in der Lage, ihr Leben positiv zu beeinflussen. Menschen, die besonders anfällig für Depressionen sind, neigen bei negativen Ereignissen dazu, die Ursachen hierfür allein bei sich selbst zu suchen. Verlieren sie beispielsweise ihren Job, sehen sie die Gründe für die Kündigung in ihren angeblich mangelnden Fähigkeiten. Andere Erklärungen, wie etwa die angespannte wirtschaftliche Lage der Firma, ziehen sie als Kündigungsgrund nicht in Betracht. Die typischen Symptome ("Hauptsymptome") einer Depression sind Diese Symptome können ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Manche Betroffene beschreiben ein "Gefühl der inneren Leere", andere haben so wenig inneren Antrieb, dass sie das Haus nicht mehr verlassen und bei wieder anderen steht das Gefühl der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit im Vordergrund. Beschwerden wie Niedergeschlagenheit oder eine gedrückte Stimmung kennt jeder von uns. Solange sie nur vorübergehend auftreten und uns nicht wesentlich beeinträchtigen, ist dies ganz normal und kein Anzeichen für eine Depression. Bei einer Depression halten die Symptome jedoch länger an und die Person leidet erheblich darunter. Für Außenstehende, die noch nie depressiv waren, ist es manchmal schwer nachvollziehbar, wie sich eine depressive Person fühlt. Traurigkeit: Nicht immer Anzeichen einer DepressionBei vielen Depressionen leiden die Betroffenen unter einer tiefen Traurigkeit. Allerdings bedeutet Traurigkeit nicht gleich Depression: Gefühle von Traurigkeit und Niedergeschlagenheit kennt jeder Mensch. Vor allem nach belastenden Ereignissen (wie Liebeskummer oder dem Verlust eines geliebten Menschen) kommt es fast immer zu einer Phase, in der die Stimmung vorübergehend gedrückt ist. Die meisten Menschen sind auch während dieser Zeit in der Lage, kurzfristig ihren Kummer zu vergessen: Sie können sich zum Beispiel im Gespräch mit Freunden oder Bekannten von ihren traurigen Gefühlen ablenken. Bei einem "normalen" Trauerprozess lassen Gefühle der Traurigkeit oder der Niedergeschlagenheit mit der Zeit nach. Bleiben sie jedoch über lange Zeit bestehen, kann sich der Zustand zu einer Depression entwickeln. Wer depressiv ist, verspürt oft starke Selbstzweifel und interessiert sich nicht mehr für Dinge, die ihm früher wichtig waren. Ablenkung und der Zuspruch anderer verschaffen einem depressiven Menschen keine Erleichterung. Zu den Hauptsymptomen können weitere Anzeichen einer Depression hinzukommen, so zum Beispiel: Bei ausgeprägten Depressionen tritt ein lähmendes Gefühl der Gefühllosigkeit auf. Die Stimmungslage ist dann weitgehend unabhängig von äußeren Einflüssen – das heißt: Auch Erfolge oder angenehme Aktivitäten können bei einer ausgeprägten Depression die Symptome nicht bessern. Die Betroffenen wirken oft teilnahmslos. Manche Menschen mit einer Depression fühlen sich zudem in ihrem körperlichen Ausdruck (Bewegungen, Mimik) gehemmt. Andere kommen dagegen nur schwer zur Ruhe und müssen sich ständig bewegen. Auch starke Ängste und Reizbarkeit sind mögliche Symptome. Viele Betroffene machen sich…

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